Berufliche Schulen im Corona-Modus

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Bereits zum Ende der Faschingsferien habe ich mich als Leiterin der Beruflichen Schulen Bretten (BSB) intensiv mit der Corona-Thematik auseinandergesetzt und gemeinsam mit meinem Schulleitungsteam alle am Schulleben Beteiligten informiert und für besondere Hygienemaßnahmen sensibilisiert. Präventiv habe ich zum Beispiel das Fußballturnier und die schulartenübergreifende Projektwoche zum Thema Gesundheit abgesagt. Hervorzuheben ist, dass das Krisenmanagement und die Informationspolitik des Kultusministeriums stets stimmig ineinandergegriffen haben und Lehrende, Lernende, Eltern und Betriebe so immer auf aktuellem Stand gehalten werden konnten.

Schulen profitieren nun von erfolgter Digitalisierung

Ab dem 17. März 2020 wurde der Schulbetrieb an den BSB wie in ganz Baden- Württemberg eingestellt. Durch die Investitionen des Landkreises Karlsruhe als Schulträger in die Digitalisierung profitierten die BSB in mehrfacher Hinsicht: Die Aufgaben der schulischen Organisation und Verwaltung wurden von der Schulleitung und dem Schulleitungsteam nahezu komplett digital im Homeoffice durchgeführt. Telefon- und Videokonferenzen gehören mittlerweile zum Alltag. In der zur Verfügung stehenden Schul- und Bildungscloud konnte auf alle Daten zugegriffen werden, die Kommunikation zwischen den Lehrenden, Lernenden, den Eltern, den Betrieben, dem Landratsamt, dem Regierungspräsidium und dem Kultusministerium wird über E-Mail und regelmäßige Telefonkonferenzen abgewickelt. Durch die Bildungscloud waren und sind sämtliche datenschutzrechtliche Bestimmungen erfüllt.

Die Lehrenden und Lernenden agieren indes über ein Messenger-System miteinander: Unterrichtsmaterialien werden zur Verfügung gestellt, Aufgaben werden gestellt und überprüft, Fragen der Lernenden können in Echtzeit digital beantwortet werden. Etwaige Überlastungen des Messenger-Dienstes sind mit alternativen digitalen Lösungen wie E-Mail, Office 365, Cloudsysteme, Videokonferenzen und E-Learning-Plattformen abgefedert worden. Durch die hervorragende Ausstattung mit Computern, Activeboards und der Lernfabrik Industrie 4.0 sind es die Lehrenden und Lernenden gewohnt, mit digitalen Lernmethoden und Medien umzugehen. So hat es sich aber auch bewährt, dass bereits exemplarisch in einigen Schularten Tablet-Unterricht erfolgreich umgesetzt worden ist. Dies ermöglicht den Schülerinnen und Schülern auch zu Hause, adäquat am Lernstoff weiterzuarbeiten.

In der gegenwärtigen Situation haben alle große Offenheit gezeigt und bereitwillig gelernt, komplett digital zu kommunizieren und neue Medien und Methoden anzuwenden. Über dieses außergewöhnliche Engagement der Lehrerinnen und Lehrer in solch herausfordernden Zeiten möchte ich als Schulleiterin an dieser Stelle meinem berechtigten Stolz und meiner großen Dankbarkeit Ausdruck verleihen.

Medienentwicklungsplan soll Digitalisierung weiter vorantreiben

Für das Lernen zu Hause mit passender Anwendungssoftware benötigen die Lernenden Tablets, Laptops oder PCs mit entsprechenden Apps und schnelle Internetverbindungen. Außerdem wird ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit der Schülerinnen und Schüler vorausgesetzt. Die Lernerfolge sind jetzt noch nicht umfassend messbar. Sie sind abhängig von der privaten medialen Ausstattung der Schülerinnen und Schüler. Während bei Lernenden der Oberstufe sehr zuverlässige Rückmeldungen erfolgt sind, gibt es aber auch Klassen, deren private Ausstattung mit digitalen Medien sehr unterschiedlich ist. Eine flächendeckende Tablet-Ausstattung wie es beispielsweise in Schweden der Fall ist, würde das sog. HomeLearning vereinfachen und auch objektive, reliable und valide Bewertungen zur Leistungskontrolle ermöglichen. Für die Messung der Lernerfolge bedarf es bei Wiederaufnahme des Unterrichts nach den Schulschließungen einer Lernstandsanalyse und Evaluation.

Entscheidend wird sein, die schulische Digitalisierung noch weiter voranzutreiben. Entscheidungsgrundlage wird der Medienentwicklungsplan der Schule sein, an dem derzeit intensiv gearbeitet wird.

Schule lebt auch von persönlichem Miteinander

Alle am Schulleben Beteiligten freuen sich, wenn der Betrieb wieder im gewohnten Raum zu den gewohnten Zeiten im bewährten Rahmen stattfinden kann. Eine Schule lebt nicht nur von purer Wissensvermittlung, sondern vor allem von einem persönlichen Miteinander. Gerade im Zeitalter der neuen Medien muss eine gelingende, ganzheitliche Bildung auch Sozialkompetenzen in den Mittelpunkt stellen. Und diese lassen sich nicht Digitalisieren.

Die Schulleitung der BSB bereitet derzeit die anstehenden Abschlussprüfungen vor und entwirft Planungsszenarien, wie ein stufenweiser Unterrichtsbetrieb unter Einhaltung des Gesundheitsschutzes anlaufen könnte. Schließlich gilt es, von Mai bis Juli insgesamt 734 Schülerinnen und Schüler erfolgreich durch Abschlussprüfungen zu führen.

Im Einzelnen sind dies:

  • Allgemeine Hochschulreife 126
  • Fachhochschulreife 115
  • Mittlerer Bildungsabschluss 80
  • Hauptschulabschluss 89
  • Sprachzertifikate in den Flüchtlingsklassen 47
  • Technikerabschluss 32
  • Berufsabschlussprüfungen 245 (davon 26 Altenpflegehilfe)

Wir bleiben zuversichtlich, dass wir die Auswirkungen der Krise auf den Schulbetrieb auch weiterhin erfolgreich bewältigen können.

Beste Grüße, Barbara Sellin